In der Früh noch schnell die Katzen versorgt, der besorgten Kollegin eine Nachricht geschrieben (ja, bin fix wieder fit und seit Tagen fieberfrei), am Weg in die Arbeit Papiermüll entsorgt, Kaffee besorgt, vor Ort erst mal am Schreibtisch für Ordnung gesorgt … keine Sorge: Wir spielen das jetzt nicht weiter. Ist eh offensichtlich: Das kleine Wort „Sorge“ durchdringt unsere Tage vom Aufstehen an. Und in der Nacht liegen wir wach, weil übriggebliebene Sorgerestposten Wache stehen. All unser Tun scheint von Sorge getrieben oder ausgebremst. War also hoch an der Zeit, dass sich die schreibkraft ein Heft lang um das Sorge-Lexem kümmert, genauer: ums Sorgen und die Sorgen.
Zwischen Sorge und Kümmern – dem Kummer und dem Sorge-Tragen – konnten wir einen Bedeutungsbogen aufspannen, unter dem es wunderschön trocken und warm bleibt, sicher und gemütlich. Und schwupps waren wir bei einer Doppelnummer – und beim vielzitierten Care-Begriff, der, aktuell in aller Munde, auch ins Zentrum dieses dicken Heftes gerutscht ist. Kein Wunder eigentlich, impliziert er doch all das beschriebene Be-, Ent- und Versorgen des Alltags: alles eben, was daraus folgt, dass sich jemand, auf gut österreichisch „schert“.
Wobei es immer schwieriger zu werden scheint, dass sich jemand „schert“. Aber kann man dann das Kümmern kaufen? Im Zuge einer „Professionalisierung“ von Care-Arbeit werden Sorgen und Sorge aus dem Privaten in den Dienstleistungsbetrieb ausgegliedert – was das in einer Gesundheitskrise bedeutet, beschreibt Mario Schemmerl in einem bedrückenden Frontbericht aus der Corona-Zeit. Martina Ernst hingegen berichtet von agilen Alten, die im Fitnesscenter einen Wohlfühlort des sorgenfreien Um-sich-selber-Kümmerns finden. Gleichzeitig sterben die vormals vielleicht wichtigsten Orte sozialer Sorge: Dem Verschwinden der Gastrogattung des Beisls spürt Clemens Marschall nach. Als Frühbar taucht die dann in einem furchtlosen Essay von Sarah Fötschl auf. Angst ist ein Thema, das laut Eleonora Wicki der Sorge inhärent ist – und damit Ängstlichkeit dem Sorgen. Sophie Reyer setzt die Sorge in Bezug zu Michel Foucaults Begriff der „Biomacht“. Und Johann Seidl schlägt den Bogen zu Achtsamkeit und Wokeness – und diskutiert diese wichtige Haltung dialektisch anhand ihrer polemischen Gegenstimmen.
Mitunter geht die Sorge aber auch ganz konkret um: In der Steiermark steht etwa die Streichung der für weite Teile des Kultur- (und Sport-)budgets zweckgewidmeten ORF-Landesabgabe und somit eine Zerschlagung der steirischen Kulturlandschaft im Raum. Kunstschaffende und Institutionen haben sich aus diesem Grund zur Initiative #kulturlandretten zusammengeschlossen, Max Höfler und Andreas Unterweger deren Manifest verfasst.
Doch was, wenn man sich zu viele Sorgen macht? Von der Redewendung „krank vor Sorge“ ist es schließlich nicht mehr weit zur pathologischen Angststörung. In dem Fall helfen Erich Schirhuber, der uns in die Kunst, ohne Angst leben zu können, einführt und Rosemarie Pilz, die ein wenig fatalistisch festhält: „Eine Sorge weniger heißt mehr Ressourcen, sich den anderen Sorgen zu widmen.“






