oder Die Last der Schönheit
Ein altes Kärntner Sprichwort besagt, Gott habe die Intelligenz universell gerecht verteilt. Die Plausibilität dieser fundamentaltheologischen These beruht auf einem schlichten wie schlagenden empirischen Indiz. Denn die Zahl jener Menschen, die öffentlich ihr persönliches Elend als Folge von zu geringer Geisteskraft beklagten, ist marginal. Grundlegend anders steht es um die Verteilung von Glück. Aufgrund seiner Unfassbarkeit („Das Glück ist ein Vogerl …“) steht die Menge seiner subjektiven Präsenz umgekehrt proportional zur Intensität der dadurch ausgelösten Zufriedenheit: Je mehr Glück, desto unzufriedener. Denn mit der Zunahme von Glück eines Menschen expandiert auch die Gefahr, alles wieder zu verlieren. Existenziell betrachtet sind glückliche Menschen zutiefst bedauernswert ob ihres permanent drohenden Niedergangs, während die Perspektiven am absoluten Tiefpunkt optimal sind: Es kann nicht mehr schlimmer werden.
Dieses Phänomen veranschaulicht das Grimm’sche Märchen Hans im Glück. Der Titelheld erhielt nach sieben Jahren Arbeit als Lohn einen Klumpen Gold, den er im Verlauf seiner Heimreise wiederholt gegen andere, „bessere“ Güter tauscht, um seine jeweilige Situation zu verbessern. Sein letzter Erwerb ist ein schwerer Mühlstein, der ihm beim Versuch, aus einem Brunnen zu trinken, entgleitet und im tiefen Wasser versinkt. Angesichts dieses Verlusts empfand sich Hans, von jeglicher Last befreit, als der „[glücklichste] Mensch unter der Sonne“ (Dettmering 1997).
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