Take care! – No, I will not
Ich erinnere mich an Zeiten, da kochte ich jeden Tag, notierte meine Rezepte, aß am Kanapee am Fenster in der Sonne, redigierte meine Notizen. Dann Mittagsschlaf, dann wieder Kanapee mit Getreidekaffee, süßen, fettigen Cremes und Torten. Dann arbeiten an Texten und abends im Garten meinen Pfirsichbaum und meine Zitrone pflegen. Ein paar Rechnungen bezahlen und Sonnenuntergang am Kanapee am Fenster. Alle zwei Wochen den Boden und alle Möbel mit Lavendelseife waschen, das Klavier polieren und meine Holzkugeln sortieren. Ich interessiere mich für Ballistik.
Dann jedoch begann die Bier-Kur. Ich geriet auf Konzerte mit Männerquote 90, kaufte mir sogar für zuhause die genialsten Bio-Biere aus dem Biogeschäft. Es wurde warmer Sommer und damit kamen Grapefruitsäfte mit Wodka, Rosenblütenblättern und Limette. Dann entdeckte ich das 24-Stunden-Lokal. Es hat eine Jukebox, man darf DRINNEN rauchen, Männerquote 98. Es ist immer dunkel drinnen und ab fünf in der Früh wird es richtig voll. Dann folgte der erste Sonntag, wo man mit Bier mittags in der prallen Sonne weiterfeiert, nachdem im 24-Stunden-Lokal die ersten Prügeleien stattfinden, ohne geschlafen zu haben und der Tag findet sein Ende irgendwo zwischen Bierdosen der billigsten Sorte mit zwei bis drei neuen Buben-Freunden im Burggarten. Dann die Gewohnheit, das Ganze zu wiederholen, dann das Aufwachen in einer unbekannten Wohnung, auch das wiederholt sich. Wieder ein paar neue Buben-Freunde gefunden. Dann nur noch mit Buben befreundet, die Nächte werden zum Tag, das Essen zunehmend schlechter. Die ersten Prügeleien, in die auch ich eingreife, zum Essen nur noch Erdnüsse und Wodka Ice Lemon. In Kühlschränken finden sich Pommes von übergestern und fragliche Fleischreste. Zwischendurch schlafen die Buben 16 Stunden. Wenn es nachts ist, stehen sie wieder auf. Dann der heftigste Darm- und Halsvirus des Jahrhunderts, trotz Quarantäneplänen hält einen zu Hause nichts. Mit Sonnenuntergang nichts wie raus. Es mehrt sich die Anzahl der Buben, die man nicht mehr los wird, und den anderen muss man nachlaufen trotz Liebesbriefen.
mehr im Heft






