oder Wie einfach alles wird, wenn man aufgibt, ein Mensch sein zu wollen
Ein Mensch geht festen Schrittes in die einzig mögliche Richtung. Er blickt weder nach rechts noch nach links, seine Füße laufen von ganz allein. Das Geschrei der Menge umher verscheucht er mit der Kraft seiner Entschlossenheit. Es wird ihnen nicht gelingen, ihn von seinem Weg abzubringen.
Die Mechanismen, nach denen der Mensch im Kollektiv funktioniert, sind im 20. Jahrhundert von den modernen Sozialwissenschaften gründlich erforscht und in Theorien gefasst worden, die es jedem, der sich dafür interessiert, ermöglichen, sein Denken und Handeln in einem übergeordneten Kontext zu reflektieren und daraus eine persönliche Haltung abzuleiten. Weshalb viele Menschen dennoch nicht daran interessiert sind, den entscheidenden Schritt vom Spielball der Interessen zum Subjekt ihrer eigenen Biographie zu vollziehen, ist ein blinder Fleck auf der von blinden Flecken übersäten Landkarte menschlichen Lebens auf der Erde.
„Wahrheit ist schrecklich“, heißt es in einem Gedicht von Hermann Hesse über den Maler Louis Soutter. Es ist manchmal ein einziger Vers oder Pinselstrich, mit dem ein Künstler sich in der Zeit verewigt. Auf dem Bild mit dem Titel „Le soleil se noircit“ wird am Mittag die Sonne plötzlich schwarz, und die Menschen erstarren vor Furcht. Sie halten sich die Augen zu, um nicht sehen zu müssen, was nun geschieht, denn sie wissen ja schon, sie wissen genau, was nun geschehen wird.
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