oder Scheitern ist nur cool, wenn man damit Erfolg hat
wehen
Die Windräder lächeln in der Dämmerung eines endlich wieder klaren Himmels. Wem wollen sie damit etwas vormachen? Vermutlich mir. Auf der Zeitschrift der Eisenbahn lockt die Region „Schnell, modern, barrierefrei“ mit einer Vater-Mutter-Kind-Familie, die fröhlich rennend einen Drachen steigen lässt. Wer hat sich das ausgedacht? Eine wie ich, die lieber die Nase in Bücher steckt, als ein Leben zu planen, und trotzdem irgendwie ihr Geld verdienen muss? Ich bin auf dem Weg zu einem anderen Windrad und halte mich an Ilse Aichinger: „immerfort halten wir das Unhaltbare.“ Zur Freude oder zum Schmerz? Sie schrieb auch, dass Schreiben Sterbenlernen sei. Wie das ganze Leben, oder?
kriseln
Die Tochter hat entdeckt, dass nur noch Krise ist – „es gibt nichts mehr dazwischen“. In der Pandemie war sie trübsinnig geworden. Jeden Tag wich ein Stück Freude aus ihrem Gesicht. Dann blickten die Augen wund, sie konnte nicht mehr, der Arzt schrieb sie krank. Erschöpfung, lautete die Diagnose. Die half aber nicht.
aufdrängen
Ich gehe den Kindern, die keine mehr sind, auf die Nerven mit meinen Sorgen und meinen immer gleichen Fragen. Mit den Vitaminsäften, die ich ihnen aufdränge. Den lästigen Vorschlägen, ein Spiel zu spielen, so ein altmodisches, am Küchentisch mit Figuren und Würfeln, die man in die Hand nehmen und bei dem man anderen in die Augen sehen kann.
besorgen
Ich besorge Pullover für sie und bin stolz, wenn sie ihnen gefallen. Ich weiß nicht, was werden soll, wenn sie fort sind, doch sie werden fortgehen, bald, und ich werde bleiben. Woher nehme ich dann die Freude, am Leben zu sein? Wie wird es ohne die Kinder sein? Wer werde ich? Sie setzen schon keinen Helm mehr auf beim Radeln, keine Signalweste. Ich auch nicht. Die Gefahr entzieht sich meinem Alltag wie die Kinder. Was jetzt nicht passiert ist, ist durch.
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