Werden Empathie und Fürsorge auch in Zukunft noch zentrale Faktoren bei der Pflege sein?
„Voller Hingabe widmete sie ihr Schaffen den Kindern und der Pflege der Kranken“. So hieß es im Lebensrückblick von Schwester Sigmunde, einer Ordensschwester der „Schwestern des Erlösers“, die im Juni 2025 im biblischen Alter von 89 friedlich entschlief. Bereits in sehr jungem Alter hatte sie sich für diesen Lebensweg entschieden. In Zeiten, als Haushalt oder Krankenpflege zu den möglichen Berufswahlen einer jungen Frau gehörten, entschied sie sich für die Pflege und trat in den Orden ein. „Sie verzichtete auf Familie und Besitz, um ihr Leben in den Dienst Gottes und den Dienst am Menschen zu stellen“. Sie war zusammen mit Schwester Materna und Schwester Alipia als Säuglingsschwester in der Theresienklinik tätig gewesen.
Im Neugeborenenzimmer roch es immer nach gebügelter Wäsche und frisch gewickelten Babys. Es wurde leise gesprochen, nie war es hektisch, obwohl die Schwestern immer geschäftig umherwuselten. Mit geschickten Händen wurden die Babys versorgt, aus- und angezogen und gewickelt. Hautfarbe, Atmung und Stuhlgang wurden beobachtet, der Nabel aseptisch gepflegt. Schwester Materna meinte, ihre Babys würden sie an der Stimme erkennen, das übe einen beruhigenden Einfluss auf sie aus. Ja, das konnte man tatsächlich beobachten. Schwester Alipia war ein bisschen rundlich wie ihre Brille und immer gut gelaunt und zuversichtlich. Gleichzeitig war sie überaus tatkräftig: Wenn Verstärkung bei den Schichten benötigt wurde, war sie stets zur Stelle, gab den Müttern lebenskluge Ratschläge zum Stillen und hielt, wenn es notwendig wurde, zu jeder Tages- und Nachtzeit unermüdlich das von ihr versorgte Kind unter Phototherapie
im Inkubator genauestens im Blick. Schwester Sigmunde war eher hager und geradezu apodiktisch, man kann sagen, sie sah das drohende Unheil am weitesten voraus. Sie war eine besonders scharfe Beobachterin. Schwester Materna war die offizielle Leiterin des Neugeborenenzimmers.
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