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Heft 46

Erschienen in Heft 46, sorgen
Ressort: Feuilleton

Sorgen vorher

Judith Riccarda Wießmeyer

oder „Warum bin ich anders?“

„Warum bin ich anders?“ – Eine Frage, die sich viele stellen.

Ja, viele scheinen sie zu kennen. Die Frage nach diesem Warum. Doch noch viel mehr andere verstehen den Kern der Frage gar nicht.

Es heißt so oft – so leicht: „Du bist, wie du bist“. „Ich bin, wie ich bin.“

Diese Frage blieb. Immer. Und auch wenn sie keiner verstand. Sie zog sich durch die Kindheit. Oh ja – Kinder merken so viel mehr, als ein Erwachsener denkt. Die Frage: Warum bin ich anders.

Noch mehr in der Jugend, da es hier so einfach zu erfassen war. Für mich, die sich nicht normal fühlte, die irgendwie auf diverse Art dachte. Aktuelle Musik, das männliche Geschlecht, das gemeinschaftliche Geplaudere – es war mir alles so fern. Aber auch für die anderen war es leicht merklich, dass sie – also ich – einfach nicht wie sie war.

Besorgt suchte ich Hilfe. Fragte sogar beim Schulpsychologen: „Warum bin ich anders?“. Er wollte mich wie damals üblich beruhigen. Ich konnte sprechen, war schulisch gut. Zeigte Leistung. So hieß es: „Mach dir keine Sorgen. Du bist vollkommen okay.“ Aber damit war meine Sorge noch viel größer geworden. Denn war mir klar: Ich muss mich einfach mehr anstrengen, um normal zu sein.

Erschwert durch Hürden, die in meinem Lebensweg standen, musste ich durch diese Zeit. Gemobbt in der Schule, geduldet durch Leistung bei Sport, Musik und weiterem Allerlei.

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