Eine Sorge weniger, heißt mehr Ressourcen, sich den anderen Sorgen zu widmen
Eine Privatversicherung für das Kind mache man nicht, um als Begleitperson einen Schlafplatz garantiert, sondern die privaten Ärzte an seiner Seite zu haben und somit das beruhigende Wissen, der Oberarzt vom z. B. Heiland-Spital wird keine Mühe scheuen, eine notwendige Operation durchzuführen. Wir würden uns also zum Allgemeinkassenaussteiger machen, kein Warten, kein Niederknien. Einmal in der Sonderklasse angekommen, gibt es kein Klassendenken mehr.
Am Spielplatz erfahre ich, die anderen Eltern kommen gerade von einem Ponybauernhof-Urlaub, zwei Tage, von der privaten Krankenkassa mitbezahlt, als Goodie, damit es sich auszahlt. Im Privatkindergarten sind wir die einzigen, die die Kinder nicht privat krankenversichert haben. Das Schicksal braucht seine Show und wählt natürlich unser Kind aus. Sechsundzwanzig Tage Krankenhaus im Winter. Aber: ein Zweibettzimmer, in dem ich mit meinem Kind schlafe, ein Sonderklassenzimmer, weil zu Weihnachten nicht viel los ist. Die Arm- und Beinbrüche kommen erst im Frühling. Auf Kulanz, unausgesprochen, darf ich dort sein, beim zweiten Mal wird mir empfohlen, das Krankenhausessen abzubestellen, damit ich als blinde Passagierin mit an Bord sein kann. Nach ihrem dritten Geburtstag müssen Kinder im Krankenhaus allein schlafen, oder man zahlt, oder man richtet sich ein Bett am Boden. Mit einer Luftmatratze. Oder ein Campingbett, empfehle ich einer Bekannten, die ihr Kind in einem Vier-Bett-Zimmer begleitet. Ich erwähne die Kulanz, nicht laut. Nur ganz ein wenig spüre ich ein Schuldgefühl, die Sorge um mein Kind überwiegt. Sie sind sich sehr nah, die beiden, Schuldgefühl und Sorge, weil es um Grenzen geht und Räume, ums Austarieren. Denn eine Mutter darf in Ausnahmezuständen die Selbstfürsorge nicht vergessen. Und das macht Druck. Denn auch das heißt: performen zu müssen.
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