oder Mit Idealen kommst du nicht weit
Ich bin kein Held, ich habe Läsionen. Ich bin kein Held, die besorgniserregenden Entwicklungen habe ich am eigenen Leib gespürt und an meinem Nächsten in Zeugenschaft erlebt. Lässt man ein Ankommen in der gegenwärtigen Krise zu, ist die uns, mich und all die Bewohner, lebendig und tot, verbindende Substanz eine Masse aus unausgesprochenen Lügen. Ich habe mir stets versprochen, bestmöglich für die Leute da zu sein, und jetzt frage ich mich, wie sehr ich mich selbst zum Mittäter mache, nur weil ich da bin. Was im Realen unser Mitwirken impliziert, ist viel schwerer anzunehmen als das, was wir als Schicksal bezeichnen, denn das trifft dich oder jemand anderen oder nicht.
Manche Ereignisse erträgt man kaum, deshalb spielt man sie runter. Dem wohnt eine Ratlosigkeit inne. Oder man nimmt sie immer weniger ernst. Die höchste für meinen Bereich verantwortliche Instanz meines Bundeslandes, Steiermark, meinte in einem Ehrlichkeitsanfall während der Pandemie, Pflegeheime seien Sarggassen und Pflegekräfte Todesengel. Der Aufschrei war mickrig, medial kaum vorhanden und auf den notwendigen Rücktritt durfte man nicht warten. Der Kontext dieser Aussage spielt keine Rolle, es geht mehr darum, dass sie während einer großen Sitzung mit Führungskräften verschiedener Betreiber ihre Runde in die Ohren der Öffentlichkeit und Berufskolleginnen machte. Perspektive ist ein Hauptmerkmal, hat schon der Künstler Christoph Schlingensief gesagt. Das Leben oder die Interaktion mit Mitmenschen, mit der Welt und den Wesen sind übereinander gelegte Dinge, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, sich unsichtbar auf anderen Kontinenten abspielen und sich doch ineinander verhaken.
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