Über die Kunst ohne Angst leben zu können
Im Jahr 1948 veröffentlichte ein Herr Carnegie das Buch Sorge dich nicht – lebe (englisch How to Stop Worrying and Start Living). Offen gesagt ist dem Verfasser dieser Zeilen der Autor wenig bekannt, so dachte er auch intuitiv, dass Dale Carnegie mit dem Stahlbaron gleichen Namens zu tun hätte – und dass einem Millionenerben die Aufforderung zur Unbekümmertheit relativ leichtfallen sollte.
Dale hatte allerdings mit Andrew Carnegie nichts zu tun – dafür sorgte sich der Magnat durchaus um Verschiedenes, zum Beispiel um die Wissenschaft, die Kunst, die Volksbildung, die öffentliche Wohlfahrt: Die Carnegie Hall in New York ist wohl allgemein bekannt; dass er aber auch das Büchereiwesen in den USA großzügig förderte, nimmt den Verfasser dieser Zeilen – einstens selber ein chief librarian in Wien – für den Stahlkocher ein und lässt ihn tagträumen: Wenn einer der Mateschitzen, alt oder jung, hundert Millionen Euro in die Hand genommen hätte für Bücher anstatt für Rennautos – „Der Mann, der reich stirbt, stirbt in Schande“ hat Andrew Carnegie übrigens geschrieben …
Einem seiner Zeitgenossen, Benjamin Guggenheim, ebenfalls keine Kirchenmaus, nahm ein Eisberg solche Sorgen um das Image in der Nachwelt ab. Sie erinnern sich sicher an die Szene in Titanic: Während Jack Dawson und Rose DeWitt planlos im kalten Wasser herumstapfen, verweigert ein Mann die ihm angebotene Schwimmweste mit den Worten: „Wir sind angemessen gekleidet und bereit, wie Gentlemen unterzugehen“ – das war der erwähnte Guggenheim. Er verlangte stattdessen einen Drink, offenbar gemäß dem Prinzip Stop worrying. Der reichste Mann an Bord war übrigens ein gewisser John Jacob Astor, auch er soff letztlich ab.
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