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Heft 46

Erschienen in Heft 46, sorgen
Ressort: Kunst

Destroy Nestroy

Egyd Gstättner

oder Goodbye Austria! Dr. Denksteins Vorlesung an der Universität K.rähwinkel

 

„Hr. Nestroi hat sich in ‚Freiheit in Krähwinkel‘ an der Revolution vergangen: Hr. Nestroi parodirt die – Freiheit! Ist sie der Stoff dazu? Weiß Herr Nestroi nicht, dass es Gefühle gibt, über die wir keinen Scherz anhören können, ohne verletzt, verwundet bis in den Kern unserer Seele zu werden? Weiß Herr Nestroi nicht, daß es eine Heiligkeit gibt, welche unser Herz nie profaniren läßt? Die Freiheit – der Kampf – das Streben um sie ist das heiligste und heiligendste Gefühl – und Herr Nestroi parodirt sie!“

(J. S. T. in der Presse vom 4. Juli 1848)

 

Ort: HS 1 der südlichsten Universität der Republik Österreich
Zeit: Jetzt

1 Termin.

 

„Provinzler!“ Ja, sehr verehrte Damen und Herren, geschätzte Hörerinnen und Hörer, Sie hören ganz recht! Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy nannte sich selbst ganz ungeniert einen „Provinzler“, auch wenn in seinem Fall bei allem, was er sagt, der ironische Unterton mit zu bedenken und herauszuhören ist. „Provinzler“ hat Nestroy allerdings nicht gesagt, sondern geschrieben. „Was kann ein von Geschäften zurückgezogener Provinzler einem Residenzbewohner Belanghabendes schreiben?“, fragt Nestroy seinen Korrespondenzpartner Ernst Stainhauser, seines Zeichens „Oekonomie-Controlor“ des Carltheaters in Wien, wo er, Nestroy, viele Jahre Direktor gewesen war, um seine Säumigkeit im Briefeschreiben zu entschuldigen. „Oh, eine ganze

Menge, Meister!“, möchte ich ihm eineinhalb Jahrhunderte in die Zeit zurückrufen; und Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, möchte ich im Lauf des kommenden Semesters den Beweis oder wenigstens den Beleg dafür liefern.

Geschrieben hat Nestroy diesen Brief knapp vor Weihnachten, nämlich am 18. Dezember des Jahres 1860 am Schreibtisch seines Arbeitszimmers, der sogenannten „Bärenhöhle“ seines Hauses in der Elisabethstraße, nur einen Katzensprung vom Stadtpark und vom Forum Stadtpark, auch nur einen Katzensprung – allerdings in die andere Richtung – von der Universität und vom heutigen Literaturhaus, vom Franz-Nabl-Institut entfernt.

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