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Heft 45

Erschienen in Heft 45, kinderleicht
Ressort: Rezensionen

Astrid Lindgren: :
Wir Kinder aus Bullerbü

rezensiert von Pia Hierzegger

Alltäglichkeit vs Das letzte Einhorn

Mit etwa 8 Jahren konnte ich weder fliegen noch zaubern und kam langsam zum Schluss, dass ich wohl keine Superkräfte mehr entwickeln würde. Das war sehr enttäuschend, denn aus Geschichten, die mir vorgelesen und erzählt worden waren, wusste ich, dass Mädchen nur zu Hauptfiguren und damit zu Heldinnen werden konnten, wenn sie übersinnliche Kräfte hatten. Ich würde also keine Heldin werden. Keine Drachen besiegen, keine Zaubertränke brauen. Kein aufregendes Leben vor mir haben.

Außer ich würde meine Eltern davon überzeugen können, mich in ein Internat zu geben. Dort – so hatte mir meine Schwester erzählt, die Enid Blyton gelesen hatte – konnte man als Mädchen auch Abenteuer erleben. Aber meine Eltern sahen keine Veranlassung, weil ich es zuhause doch so gut hatte. Das war gerade das Problem, es ging mir gut. Ich kannte bis dahin nur kleine alltägliche Probleme. Über so etwas wollte doch niemand schreiben oder lesen. In Büchern wurden nur die Töchter von Piraten oder Räuberhauptmännern zu Hauptfiguren, im echten Leben in den 1970ern vereinzelt Sportlerinnen oder sehr selten Politikerinnen von der Öffentlichkeit wahrgenommen.

Dann gab mir meine Schwester das Buch Wir Kinder aus Bullerbü. Dort erzählte eine Lisa – ein Mädchen in meinem Alter – über ihr Leben in dem kleinen Dorf Bullerbü. Und ihr Leben war fast so ereignislos wie meines. Aber sie erzählte es so genau, dass Alltägliches plötzlich wichtig und allgemeingültig wurde. Und deshalb las ich die Kinder aus Bullerbü immer wieder. Ich hab mit Lisa Flusskrebse gefangen, ein eigenes Zimmer bezogen und war froh, dass ich keine großen Brüder hatte, dafür auch beste Freundinnen in der Nachbarschaft. Irgendwann haben meine Freundin und ich eine Klorolle an einer Schnur befestigt und diese zwischen unsere Häuser gespannt. Damit konnten wir nun wie Lisa, Inga und Britta aus Bullerbü Briefe zwischen unseren Fenstern hin- und herschicken. Wir hätten auch schreien können, aber wir wollten lieber leise sein.

Bis heute mag ich es noch immer, wenn Bücher, Stücke, Filme es schaffen, Geschichten zu erzählen, die nicht nur spektakulär sind. Wenn ich Beziehungen glaube, Figuren nachvollziehbar handeln und schonungslos gezeigt werden, kann das manchmal so spannend und grausam sein, wie wenn das letzte Einhorn erlegt wird.

Rezensionen

Buch, Rezensionen

Sarah Kuratle:
Chimäre

2025: Otto Müller Verlag, S. 156
rezensiert von Hermann Götz

Der Schönheit späte Rettung Sarah Kuratles zweiter Roman erzählt von einer Zukunft, die versucht, Reste von Natur zu bewahren – und sei es zwischen Buchdeckeln. Es gibt gar nicht so

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Werner Schandor:
Flüchtiges Spiel

2025: Edition Keiper, S. 210
rezensiert von Sabine Dengscherz

Von Kugeln und Haien Werner Schandors jüngster Roman kreist um Spielsucht und Korruption Wir schreiben das Jahr 2002. Zwei Paare machen Urlaub auf den Malediven, und in einer Werbeagentur werden

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Frieda Paris:
Nachwassser

2024: edition Azur, S. 136
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Ein Langgedicht als Einladung   stellenweise wisst ihr schätzungsweise mehr als ich
und doch hoffe ich euch andernorts zu überraschen Worüber schreiben bei einem Buch, das von allen Seiten positiv besprochen

Buch

Elisa Asenbaum (Hg.):
nie als allein. Phänomen Dialog & lyrische Interferenzen.

2025: fabrik.transit, S. 190
rezensiert von Sabine Dengscherz

Poetischer Dialog als Versuchsanordnung Neun Autor:innen interagieren in einem interdisziplinären Experiment Schreiben ist Dialog: Texte antworten auf Texte, Fäden laufen intertextuell zusammen, treffen aufeinander, ändern die Richtung und werden neu

Buch

Anna Herzig:
Das Seil

2025: Septime, S. 116
rezensiert von Hermann Götz

Eine Geschichte, die auszuckt  „Das Seil“ von Johanna Herzig schnürt einem – kunstvoll – den Hals zu. Ein Seil kann retten, es kann fesseln, es kann Mord- und Selbstmordwerkzeug sein

Buch

Timo Brandt:
Oder die Löwengrube

2025: edition keiper, S. 208
rezensiert von Hermann Götz

Noch mehr Multiversen bitte! Über Timo Brandts Romandebüt „Oder die Löwengrube“ Feministische, sexuell aufgeladene Science-Fiction. So in etwa ließen sich die Romane beschreiben, mit denen Lynn durchaus erfolgreich am Buchmarkt

Buch

Olaf Olafsson:
Berührung

2024: Berlin, S. 335
rezensiert von Hannes Luxbacher

Die Liebe in der Krise Olaf Olafsson verschränkt in seinem Roman „Berührung“ den Lauf der Liebe mit der Covid-Pandemie Es ist der Reiz des Bedächtigen, dem man in Olaf Olafssons

Buch

Werner Fiedler:
Die Apokalypse des frommen Jakob

2024: edition kürbis, S. 243
rezensiert von Hermann Götz

Zeuge gegen Jehova Werner Fiedler wollte ein Drehbuch über seine Kindheit in einer Sekte schreiben. Es ist ein dichtes Buch geworden Jakob wächst mit seiner Mutter Monika auf, die die

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