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Heft 28

Erschienen in Heft 28, wie meinen?
Ressort: Rezensionen

Lorenz Langenegger:
Bei 30 Grad im Schatten

rezensiert von Hannes Luxbacher

Am Ende war kein Ort

Behutsamer Leerlauf bei 30 Grad im Schatten

Manchmal ist das Verreisen ja eher ein Fortlaufen, eine Bewegung raus aus dem Ungeheuren des Alltags, hinein in das positiv gedachte Ungewisse der Ferne, ist eine Distanzschaffung zwischen dem Hier und dem Mir. Jakob Walter, die Hauptfigur in Bei 30 Grad im Schatten war bereits die Hauptfigur in Lorenz Langeneggers Debüt Hier im Regen. Dort schon wagte er einen Ausbruch aus seinem Leben, nun ja, besser sagte man wohl, er versuchte einen Ausbruch aus seinem Leben, das von so viel Pragmatismus geprägt ist, dass selbst die Heirat mit seiner Frau Edith mehr eine Entscheidung des Kopfes als eine des Herzens war. Weit ist er damals nicht gekommen, von Bern nach Lugano ins Tessin sind es gerade einmal 155 km Luftlinie. Flucht schaut anders aus, möchte man da gerne notieren. Dieses Mal strebt Jakob Walter eine konsequentere Lösung an.

War der Anlass im ersten Buch noch ein fast willkürlich anmutender Ausflug mit eingebildetem Freiheitsstreben, so wird ihm im aktuellen Werk des Schweizer Autors von seiner Frau Edith der Laufpass gegeben. Als Walter endlich realisiert, dass die Trennung nach vielfachen Ankündigungen dieses Mal endgültig ist, nimmt er vorerst einmal Fahrt auf: Der alte Rucksack wird entstaubt, das Notwendigste gepackt und der Schlüssel schlussendlich in den Postkasten geworfen. „Rückkehr prohibited“ sozusagen. Das Abenteuer lockt. Doch es ist ein Desaster mit dieser Hauptfigur. Jakob Walter wäre nicht eine Hauptfigur „bescheidener Façon“, würde das Locken nicht bald schon in ein Zagen übergehen. Was genau suche ich da? Wo ist das Ziel? Und wohin weiter, wenn ich dann mal dort gewesen bin, wohin ich ursprünglich gar nie wollte? Das Ende einer Reise ist nun mal nicht das Ende der Zeit. Doch zuerst muss es erreicht werden, dieses Griechenland, Sehnsuchtsort für Aussteiger, Backpacker und Familien. Dieses Griechenland, die Wiege der Demokratie und das Land der unbegrenzten Steuersünden.

So viele Klischees kann ein Land gar nicht vor sich hertragen, als dass es nicht doch die Abenteuerlust beflügelt. Also macht sich Jakob Walter auf den Weg, sucht die Verlassenheit genauso, wie er für allfällige Tipps aufgeschlossen bleibt. Ein wenig orientierungslos mäandert er durch das Land, versucht nachzuvollziehen, woher der Mythos kommt, und bekommt diesen ebenso wenig zu fassen, wie er sein Leben in den Griff bekommt.
Lorenz Langenegger entfaltet eine Studie über das Zaudern und Zögern, eine Studie über das Wollen, das zu wenig zu sein scheint, verglichen mit dem, was wir wollen sollen. Was ist es wert, mein Leben, wenn die allgemein als bedeutsam titulierten Ziele nicht greifen und schon gar nicht zünden wollen? Wohin mit der eigenen Selbstgenügsamkeit? Am Ende des Buches hofft man als Leser jedenfalls auf eine Wiederbegegnung mit Jakob Walter.

Rezensionen

Buch

Werner Schandor:
Flüchtiges Spiel

2025: Edition Keiper, S. 210
rezensiert von Sabine Dengscherz

Von Kugeln und Haien Werner Schandors jüngster Roman kreist um Spielsucht und Korruption Wir schreiben das Jahr 2002. Zwei Paare machen Urlaub auf den Malediven, und in einer Werbeagentur werden

Buch

Frieda Paris:
Nachwassser

2024: edition Azur, S. 136
rezensiert von Lisa Höllebauer

Ein Langgedicht als Einladung   stellenweise wisst ihr schätzungsweise mehr als ich
und doch hoffe ich euch andernorts zu überraschen Worüber schreiben bei einem Buch, das von allen Seiten positiv besprochen

Buch

Elisa Asenbaum (Hg.):
nie als allein. Phänomen Dialog & lyrische Interferenzen.

2025: fabrik.transit, S. 190
rezensiert von Sabine Dengscherz

Poetischer Dialog als Versuchsanordnung Neun Autor:innen interagieren in einem interdisziplinären Experiment Schreiben ist Dialog: Texte antworten auf Texte, Fäden laufen intertextuell zusammen, treffen aufeinander, ändern die Richtung und werden neu

Buch

Anna Herzig:
Das Seil

2025: Septime, S. 116
rezensiert von Hermann Götz

Eine Geschichte, die auszuckt  „Das Seil“ von Johanna Herzig schnürt einem – kunstvoll – den Hals zu. Ein Seil kann retten, es kann fesseln, es kann Mord- und Selbstmordwerkzeug sein

Buch

Timo Brandt:
Oder die Löwengrube

2025: edition keiper, S. 208
rezensiert von Hermann Götz

Noch mehr Multiversen bitte! Über Timo Brandts Romandebüt „Oder die Löwengrube“ Feministische, sexuell aufgeladene Science-Fiction. So in etwa ließen sich die Romane beschreiben, mit denen Lynn durchaus erfolgreich am Buchmarkt

Buch

Olaf Olafsson:
Berührung

2024: Berlin, S. 335
rezensiert von Hannes Luxbacher

Die Liebe in der Krise Olaf Olafsson verschränkt in seinem Roman „Berührung“ den Lauf der Liebe mit der Covid-Pandemie Es ist der Reiz des Bedächtigen, dem man in Olaf Olafssons

Buch

Werner Fiedler:
Die Apokalypse des frommen Jakob

2024: edition kürbis, S. 243
rezensiert von Hermann Götz

Zeuge gegen Jehova Werner Fiedler wollte ein Drehbuch über seine Kindheit in einer Sekte schreiben. Es ist ein dichtes Buch geworden Jakob wächst mit seiner Mutter Monika auf, die die

Buch

Stefan Schmitzer:
loop garou – invokationen

2024: Ritter, S. 96
rezensiert von Sophie Reyer

Differenzwiederholungen vom Feinsten „loop garou – invokationen“ – diesen Titel trägt Stefan Schmitzers neuer Lyrikband – und jenes besondere Wortspiel zu Beginn, das einerseits auf den französischen Werwolf („loup garou“),

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