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Heft 36

Erschienen in Heft 36/37, ordinär
Ressort: Rezensionen

Werner Schandor:
Wie ich ein schlechter Buddhist wurde

rezensiert von Heimo Mürzl

Schotterbänke der Vernunft

Werner Schandor hilft beim Nachdenken und plädiert für Menschlichkeit, Offenheit, Aufklärung und Humor.

 

Werner Schandor, der der Aufgeregtheit und Hektik, dem Tempo und Unsinn unserer Zeit mit Menschlichkeit, Offenheit, Vernunft und Humor begegnet, ist ein schreibender Alleskönner – ein Textarbeiter im besten Sinne. Der Sammelband Wie ich ein schlechter Buddhist wurde präsentiert Essays, Glossen und Polemiken aus zwei Jahrzehnten. Der 1967 in Fürstenfeld geborene und seit Studienzeiten in Graz lebende Denker und Schreiber blickt auch als Mittfünfziger noch mit sanftem Lächeln und spitzbübischem Gesicht auf die Welt und hilft dem Leser vergnüglich-ernsthaft und eloquent-aufklärerisch beim Nachdenken und Nachspüren über Leben und Literatur, über Alarmismus und Routine, Gewissheiten und Zweifel, Idyllen und Illusionen, Gutmenschentum und Lernresistenz, Alltag und Kulturhauptstädte. Im Stile eines geistvollen Individualisten, gewitzten Denkers und schreibenden Freigeists geht er beharrlich seine Lebens- und Denkwege und appelliert in seinen Texten für neue Zugänge und gegen eine einengende Monokultur des Denkens und Schreibens. Viele der in diesem Band versammelten Texte gleichen Selbst- und Welterkundungen, deren Rahmen eine allumfassende Themenvielfalt und Zeitlosigkeit bildet. Scharfzüngig, erhellend, selbstironisch, polemisch und unbeirrt schreibt Schandor gegen medialen Meinungsterror, selbstgerechte Political Correctness und von Google, Facebook und Twitter digital gesteuerte Denkfaulheit an. Und ob er sich nun mit dem freudvollen Dasein als Ein-Personen-Unternehmer, den Tücken des Arbeitsmarktes, Persönlichkeitsseminaren für Leistungswillige, Obamas Hoffnungen und Amerikas Gegenwart, Grazer Stadtpolitik und deren Eigenheiten, Digital Na(t) ives, der Magie des analogen Fotografierens, der Bedeutungsveränderung (-verschlechterung) von Worten am Beispiel des Wortes Neger, den Vorteilen des Alter(n)s oder mit nicht minder wichtigen Themen wie Liebe, Enttäuschung und Glück auseinandersetzt – stets haben die Texte dieses Autors etwas Leichtes, Beiläufiges und Flüchtiges. Die mit philosophischem Tiefgang und aufklärerischem Impetus gewürzten Essays und Polemiken regen und stoßen an, ohne zu belehren und auf den viel beschworenen Punkt zu kommen. Schandor dreht und wendet, beleuchtet und hinterfragt, denkt nach und (be-)schreibt, ohne seinen Lesern das eigenständige Denken abzunehmen. Er ist weder ein Thesen-Denker noch ein Dogmatiker, sondern ein vernunftbegabter Humanist, der Haltungen prüft, Urteile hinterfragt und anzweifelt, der Einstellungen überdenkt und auf ihre Haltbarkeit überprüft. Nie standpunktlos, aber immer offen dafür, jedes Problem und jede Frage von vielen, möglichst allen Seiten zu betrachten. Seine Worte und Sätze sind wohltuende aufklärerische und reflektiert-nachhaltige Inseln in den Ozeanen unseres angestrengt um Eindeutigkeit bemühten Geisteslebens.

 

Gerade weil ihm bewusst ist, dass das Menschliche und das Widersprüchliche zusammengehören, obwohl diese Tatsache unter dem nivellierenden Diktum der Gleichheit oft nicht mehr toleriert wird. „Die Aufklärung als Leitidee der westlichen Welt“: Daran hält der unkonventionelle Denker Schandor unverdrossen fest und bleibt so sich selbst und seiner Lebenseinstellung treu. Er ist weder revolutionärer Aufrührer noch selbstverliebter Klugscheißer. Aber verantwortungsvoller Zweifler und idealistischer Humanist. In Zeiten von Framing, Hashtag-Aktivismus und Facebook-Shitstorms sind abwägende und um Standpunkte ringende Texte nicht nur wichtig – sie bilden auch „Schotterbänke der Vernunft“. Weil die „Inseln der Vernunft“ (Paul Parin) laut Werner Schandor „den Großschriftstellern, breitenwirksamen Denkern und Lieblingsdialektikern des Feuilletons vorbehalten“ bleiben.

 

Wie dem auch sei! Wer den Autor Werner Schandor entdeckt und ihm sein Vertrauen schenkt, der findet, wenn er sein Leben verantwortungsvoll führen oder sinnvoll ändern will, bei ihm brauchbare Anregungen und aufgeklärten Rat. Auch all jene, die im Wettkampf und Gelderwerb nicht den einzigen Sinn des Lebens erkennen, werden mit diesem Autor und seiner Auswahl von Essays, Glossen und Polemiken ihre helle Freude haben.

 

„So wächst uns die Vergangenheit zu, je älter wir werden, und die Gegenwart verliert den Anschein des Absoluten. Der geschichtliche Horizont wird breiter. Das ist das Gute an der Altersweitsichtigkeit.“

Rezensionen

Buch

Nadia Rungger:
Das Blatt mit den Lösungen. Erzählungen und Gedichte.

2020: A. Weger, S. 152
rezensiert von Nina Köstl

Die Besonderheiten der alltäglichen Dinge Nadia Runggers „Das Blatt mit den Lösungen“ – ein überzeugendes Debut. In ihrem 2020 erschienen Buch Das Blatt mit den Lösungen entführt Nadia Rungger ihre

Buch

Katharina Körting:
Rotes Dreieck. Chronik eines Verrats.

2018: Kid Verlag, S. 228
rezensiert von Werner Schandor

In der PR-Maschinerie Im Roman „Rotes Dreieck“ gerät eine aufrechte Texterin in das Räderwerk eines Wahlkampfs. Eine uralte amerikanische Blues-Weisheit lautet: „You can’t judge a book by it’s cover“ (Willie

Buch

Roman Markus:
Dings oder Morgen zerfallen wir zu Staub

2020: Droschl, S. 232
rezensiert von Hermann Götz

Wie war das noch mal? Roman Markus hat mit „Dings“ einen wunderschönen Roman aus den 1990ern geschrieben. Natürlich ist es Zufall, dass der Autor Roman heißt. Und sein Roman (wie

Buch

Tonio Schachinger:
Nicht wie ihr

2020: Kremayr & Scheriau, S. 304
rezensiert von Heimo Mürzl

Der Käfigkicker Ein unwiderstehliches Solo auf der Schreibmaschine: Tonio Schachingers Debütroman „Nicht wie ihr“. Wer keinen Bugatti hat, kann sich gar nicht vorstellen, wie angenehm Ivo gerade sitzt. Tonio Schachinger

Buch

Werner Schandor:
Wie ich ein schlechter Buddhist wurde

2020: edition keiper, S. 200
rezensiert von Heimo Mürzl

Schotterbänke der Vernunft Werner Schandor hilft beim Nachdenken und plädiert für Menschlichkeit, Offenheit, Aufklärung und Humor.   Werner Schandor, der der Aufgeregtheit und Hektik, dem Tempo und Unsinn unserer Zeit

Buch

Bergsveinn Birgisson:
Die Landschaft hat immer Recht

2018: Residenz, S. 288
rezensiert von Hannes Luxbacher

Die Welt in Bergsveinn Birgisssons 2003 erschienenem Debutroman “Die Landschaft hat immer recht” ist irgendwo zwischen banaler Realität, magischen Halluzinationen und bildreicher Vorstellungskraft angesiedelt. Es ist dem Residenz-Verlag hoch anzurechnen,

Buch

Christoph Dolgan:
Elf Nächte und ein Tag

2019: Droschl, S. 216
rezensiert von Werner Schandor

AUFGEZWUNGENE STARRE In Elf Nächte und ein Tag zeichnet Christoph Dolgan ein dicht gewobenes Psychogramm einer bedrückenden Freundschaft. Das heftigste Kapitel ist jenes, wo die Hauptfiguren Theodor und der Ich-Erzähler

Buch

Tanya Tagaq:
Eisfuchs

2020: Antje Kunstmann, S. 196
rezensiert von Lisa Spalt

Nur nichts verpassen! Tanya Tagaqs Eisfuchs sagt Ja zum Leben. Eigentlich könnte dieses Buch deprimierend sein: ein langweiliges Kaff im Eis, vernachlässigte Kinder, die sich vor ihren betrunkenen Eltern und

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