Eine Begriffsklärung
Die Überraschung, die ich empfand, als ich meiner Tochter zum ersten Mal in die Augen blickte, schien mir gegenseitig. Überraschung über die Existenz in der Welt. Die Gewöhnung an das gemeinsame Dasein in der Welt, an das Dasein in Sorge beschäftigte uns alle, das Kind wie die Eltern, Tag und Nacht. Wir Eltern, oder Älteren, die selbst noch nicht sehr alt waren und keine Ahnung von der Sorge hatten, geschweige denn von den Sorgen des Sorgens, fanden uns in der Sorge wieder. Wir waren überrascht. Uns war nicht bewusst gewesen, was Sorge bedeutet.
Was bedeutet Sorge? Im öffentlichen Diskurs wird die Sorge zunehmend durch den Begriff Care ersetzt. Dies ist einerseits eine zu begrüßende Entwicklung: Care deckt verschiedene Tätigkeiten wie die Fürsorge, Betreuung, Pflege, Beziehungsarbeit, aber auch die Hausarbeit und die weitergefasste Reproduktionsarbeit ab. Anhand des Begriffs lässt sich direkt ausdrücken, dass all diese Tätigkeiten heute wenig anerkannt und schlecht bezahlt sind. Slogans wie „Who cares?“ oder „Yes, we care!“ als Adaption von Obamas Wahlspruch bringen die Sorge auf pointierte Weise ins öffentliche Bewusstsein. Andrerseits gerät in der Ersetzung des Begriffs der Sorge mit dem Begriff der Care eine wichtige Komponente der Sorge aus dem Blick: Die Dimension der Ängstlichkeit und damit die existenzielle Dimension der Sorge.
Sowohl das deutschsprachige Wort Sorge wie auch der französische Ausdruck ‚se soucier de quelqu’un‘ drücken das Existenzielle des Sorgens unmittelbarer aus als das Wort Care. Etymologisch gesehen ist es nicht so, dass das Wort Care die existenzielle Dimension nicht beinhaltete: „To sorrow or grieve, to be troubled, uneasy or anxious“, werden im Oxford English Dictionary als Bedeutungen des Wortes angegeben, die in Gebrauch waren, heute jedoch obsolet sind.
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