Warum Einwecken und Aufwecken keine Lösung ist
Die wohl größte aller Sorgen eines jeden Individuums oder sogar ganzer Gesellschaften ist mit dem Begriff der Sorge nur schlecht beschrieben, gilt sie doch letztlich einer grausigen Gewissheit: Man könnte, ja: man werde, so sorgt man sich, erstens eines sich immerfort nähernden Tages vom Zeitlichen gesegnet. Seines Lebens beraubt würde man zweitens alsbald vergessen werden. Beide Ungerechtigkeiten blieben ungesühnt, denn wer einmal tot sei, bleibe auch tot, könne nicht mehr ins Leben eingreifen und nehme nicht einmal davon mehr Notiz. Nicht zuletzt dauere dieser unselige Zustand des Todes Milliarden und Abermilliarden von Jahrmilliarden lang. Doch eben aus dieser besorgniserregenden Aussicht auf eine den Toten gleichsam vor die Tür setzende Unendlichkeit schöpft sich in den letzten Dekaden eine Hoffnung. Das kostspielige und energieintensive Versprechen von marktorientierter Wissenschaft und einer im Self-Care-Modus verfangenen Gesellschaft lautet: Man müsse zwar bis auf Weiteres weiterhin über den Jordan gehen, könne aber einst mit seinem angestammten biologischen Körper als lebendiger Mensch ins Diesseits zurückkehren, vorausgesetzt, der eben zu Tode gekommene Körper werde so rechtzeitig schockgefrostet, dass er seiner Verstoffwechselung durch Mikroben zuvorkomme. In diesem Falle werde er die nötigen technologischen Innovationen unbeschadet abwarten können – gerade die drohende Unendlichkeit des Totseins wendet sich dabei zum Trumpf und Hoffnungsanker, denn wer sonst als ein für alle Tage Toter hätte alle Zeit und Innovationsoffenheit, um auf die entscheidenden Impulse nachgeborener Generationen zu warten? Dank der sogenannten Technik der Kryonik scheint die Hauptsorge der Menschheit also bereits so gut wie vom Tisch zu sein.
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