Bildung und Halbbildung im Spiegel von T.W. Adorno
In jeder Epoche der Menschheitsgeschichte sorgte man sich um den menschlichen Verstand. Die Sorge um den Verstand gehört letztlich sogar zur Geschichte des Verstandes selbst. Schon bei Plato finden wir die Angst, dass die Schrift das Denken schwächt (Dialog Phaidros). Die Schrift ist nur ein Abbild von einem Abbild und durch seine Vergänglichkeit weniger wahr als unvergängliche Bilder (Ideen). Menschen werden sich nicht mehr erinnern, sondern nur ablesen, Abbilder von Abbildern von Abbildern. Die Kirche kannte die Sorge des falschen Denkens genau. Der Irrglaube, die Ketzerei wurde massiv bekämpft. Die Aufklärung dagegen erkannte den Irrglauben im Glauben. Bediene dich deines eigenen Verstandes, sonst bist du unmündig. Dumm ist, wer sich das Denken vorschreiben lässt. Diese Sorge um den Verstand ist das Kernmoment der Bildung.
T.W. Adorno entwickelte im Jahr 1959 eine Theorie der Halbbildung. Ausgehend von der verächtlichen Bezeichnung, die das Bildungsbürgertum im 19. Jahrhundert für den Parvenü, den Emporkömmling, wählte, um diesen zu disqualifizieren, bettete Adorno den Begriff „Halbbildung“ in die gesellschaftliche Entwicklung.
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