x
Anfrage senden

Heft 35

Erschienen in Heft 35, bitte wenden
Ressort: Feuilleton

Klima-Odyssee

Harald A. Friedl

Die irrende Suche der Dystopisten nach dem rechten Weg zurück ins nachhaltige Paradies.

1. Ich bin (in der) Krise, also bin ich (normal)
Ich bin völlig orientierungslos … Jeder um mich buhlt um meine begeisterte Anhängerschaft für den Kampf gegen die dramatischen Bedrohungen der Menschheit: gegen Cyber-Terroristen und chinesische Touristen, gegen Rechtsradikale und afrikanische Migranten, gegen US-Trump und RUS-Putin, gegen Plastikpest und Finanzblasen, gegen Adipositas und Zuckervergiftung, gegen Wachstumssucht und Beschleunigungswahn, gegen Demokratiezerfall und Lügenpresse und vor allem gegen Klima-Erwärmung! Wie Odysseus angesichts der berauschenden Gesänge der Sirenen fühle ich mich hingezogen zu deren morbiden Heilsversprechen.

Denn sie alle haben recht, präsentieren mir ganze Bibliotheken an evidenten Studien und zwingenden Befunden, um mich der objektiven Kraft erdrückender Argumente zu unterwerfen. Eben noch betroffen und betrübt ob der verstörenden Offensichtlichkeit des nahenden Weltuntergangs, rütteln mich die zornigen Propheten brutal aus meinem Grübeln in den Strudel des irdischen Wahns zurück und fordern rasches Handeln. Hier und jetzt müssten wir umkehren, anstatt weiterhin großspurig zu palavern, zu zweifeln, zu verzögern und angstgelähmt abzuwarten, während wir ungebremst, ja beschleunigend auf den Untergang zurasen würden. Darum müssten wir schneller werden als das Nahen des Untergangs, gleichsam unsere beschleunigende Raserei ins Verderben rechts überholen und Beschleunigungswahn ad absurdum führen, am Schwanz packen und sofort! zum Stillstand bringen! Andernfalls drohte uns allen, ausnahmslos! – gebannt lausche ich der dramatisierenden Schweigepause – das Ende! Zur Vollbremsung gäbe es keine Alternative!

 

mehr im Heft

Haben Sie Fragen oder möchten Sie ein Heft erwerben? Anfrage senden

Hefte

Heft 35: bitte wenden

Braucht es zum Wandel eine Krise als Impuls? Liebhaber österreichischer Weinkultur werden dem jedenfalls zustimmen. Der sogenannte Glykolskandal war hierzulande bis jetzt das beliebteste Beispiel für die  Wiederauferstehung einer ganzen

Heft 34: geht's noch?

Aber sicher! Das zumindest würde die schreibkraft-Redaktion dieser – doch allzu oft rhetorisch gemeinten – Frage zunächst entgegenhalten. Um sie, die Frage, dann doch ernst zu nehmen. Wir fragen also

Heft 33: anlegen

Der Begriff des Anlegens scheint in einem komplexen Bezugsystem aus Geld und Gewalt gefangen: Einerseits können wir Geld anlegen im Sinne von: Vorsorge treffen, dass die materielle Zukunft nicht allzu

Heft 32: durchlesen

Nachdem wir uns im letzten Heft ausgiebig und durchaus selbstreferenziell dem Schreiben gewidmet haben, dürfen wir Ihnen nun die Ausgabe zur Komplementärkompetenz vorlegen: Denn wozu schreiben, wenn es niemanden mehr

Heft 31: schreibkraft

Als die schreibkraft im Jahr 1998 im Grazer Forum Stadtpark gegründet wurde, wurde sie auf Computern geschrieben und gesetzt, per Diskette an die Druckerei geliefert, gedruckt, gebunden, per Post verschickt

Heft 30: wälzen

Zwei aufeinander laufende Dichtflächen aus Siliciumcarbid oder Keramik ergeben eine wunderbare Balg-Gleitringdichtung, die zur Wellenabdichtung in sehr vielen Umwälzpumpen Verwendung findet.

Heft 29: verspielt

Manchmal kommt es vor, dass der Ernst des Lebens keinen Spaß mehr macht. Wenn alles gut geht, kommt sodann die Zeit des Humors, der Ironie oder der Parodie. Wenn es

Heft 28: wie meinen?

Bruno Kreisky, Österreichs legendärer Bundeskanzler von 1970 bis 1983, pflegte in Interviews Sätze gerne mit der Phrase „Ich bin der Meinung …“ einzuleiten, um Zeit für die Antwort zu gewinnen.

    Anfrage

    Möchten Sie ein Heft bestellen?
    Bitte geben Sie die Heft-Nr. und Ihre Adresse an:

    Ihre Kontaktdaten werden zum Zweck der Kontaktaufnahme im Rahmen dieser Anfrage gespeichert. Mit dem Absenden dieses Formulars stimmen Sie dieser Verwendung zu. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.